Gewinnung internationaler Auszubildender in der Pflege
Katharina Weckend | 11.03.2026
“Internationale Auszubildende bringen eine hohe Motivation, Lernbereitschaft und ein starkes Interesse an einer langfristigen beruflichen Perspektive in Deutschland mit.”
– Vivien Kurbach, Vidacta Gruppe
Neben der Gewinnung von bereits ausgebildeten internationalen Pflegefachkräften, kann die Rekrutierung internationaler Auszubildendenden eine gute Möglichkeit sein, offene Ausbildungsplätze zu füllen und nachhaltig Fachkräfte zu gewinnen.
Wir haben mit Vivien Kurbach von der Vidacta Gruppe gesprochen und erklären Ihnen in diesem Artikel, welche Vorteile, Herausforderungen und Chancen die Gewinnung internationaler Auszubildenden mit sich bringt. Die Vidacta Gruppe bildet internationale Fachkräfte und Auszubildende in den Berufen Ergotherapie, Physiotherapie sowie Pflege aus. Außerdem gibt Susan P. aus Indien Einblicke in ihre Erfahrungen als internationale Auszubildende in der Pflege.
Wenn Sie internationale Auszubildende für die Pflegeausbildung nach Deutschland holen, lernen diese natürlich direkt die in Deutschland geltenden Pflegestandards. Eine Anerkennung der beruflichen Qualifikation wird hier natürlich nicht mehr benötigt.
Außerdem ist die Rekrutierung internationaler Auszubildender eine sehr nachhaltige Möglichkeit, offene Ausbildungsplätze zu besetzen und Fachkräfte zu gewinnen. Die Auszubildenden bleiben mindestens für die dreijährige Ausbildung in der Einrichtung. So kann sich eine gute Mitarbeitendenbindung aufbauen: “Internationale Auszubildende bringen eine hohe Motivation, Lernbereitschaft und ein starkes Interesse an einer langfristigen beruflichen Perspektive in Deutschland mit”, erklärt Vivien Kurbach, Projektassistentin für Integration bei der Vidacta Gruppe.
Vivien Kurbach betont aber auch, dass die Rekrutierung nicht bei der Einreise endet. Viel Verantwortung liegt hier auch bei Arbeitgeber:innen: “Der Prozess setzt sich durch Integration und kontinuierliche Unterstützung während der gesamten Ausbildungszeit fort." Arbeitgeber:innen müssen sich also auch darum kümmern, dass sich die jungen Menschen gut zurechtfinden und sich gut integrieren können. Das geht weit über die reine Pflegeausbildung hinaus.
Vielfalt bietet in jedem Team auch eine große Chance. “Wir sind überzeugt, dass die Zusammenführung unterschiedlicher Herkunftsländer, gesellschaftlicher Hintergründe, Religionen und Lebensrealitäten langfristig zu positiven Entwicklungen in Unternehmen und sozialen Strukturen führt. Die Geschichten und der Mut dieser jungen Menschen bereichern nicht nur den Ausbildungsalltag, sondern auch die Teams in den Einrichtungen”, erklärt Vivien Kurbach. Und das belegen auch Studien: Diversität, ob ethnisch oder geschlechtsspezifisch, führt zu einer höheren Produktivität.
Herausforderungen
Herausforderungen bei diesem Prozess sind unter anderem die hohe Bürokratisierung: “Bei der Rekrutierung ist man zwangsläufig auf verschiedene nationale und internationale Behörden angewiesen”, erklärt die Projektassistentin. Und genau das birgt Schwierigkeiten: Unzählige Formulare, Nachweise, Dokumente und teils lange Wartezeiten. Susan P. aus Indien erklärt, dass vor allem die langen Wartezeiten eine Herausforderung waren: “Ich musste lange auf einen Botschaftstermin für mein Visum warten.” Meist brauchen alle Seiten hier einen langen Atem.
Aber auch mit sprachlichen Hürden sehen sich die angehenden Pflegekräfte und deren Teams meist konfrontiert. Für die Einreise nach Deutschland müssen internationale Auszubildende Sprachkenntnisse auf B2-Niveau nachweisen. In der Praxis reichen diese oft nicht aus. Das bestätigt auch Vivien Kurbach: “Sprachzertifikate sind eine wichtige Grundlage, reichen jedoch weder für den Ausbildungsalltag noch für das Leben in Deutschland vollständig aus.” Die sprachliche Bildung ist ein kontinuierlicher Prozess: Die Verantwortung von Arbeitgeber:innen endet auch hier nicht bei der Einreise.
“Die Sprache ist sehr wichtig, um sich schnell einzuleben. Ich habe vor der Einreise intensiv Deutsch gelernt.”
Susan P., internationale Auszubildende in der Pflege aus Indien
Sprache als Schlüssel
Voraussetzung ist auch, dass die jungen Menschen bereits im Herkunftsland Deutsch auf mindestens B2-Niveau lernen. Und auch Susan P. rät jungen internationalen Auszubildenden: “Die Sprache ist sehr wichtig, um sich schnell einzuleben. Ich habe vor der Einreise intensiv Deutsch gelernt.”
Sprache ist also der Schlüssel für das Gelingen der Ausbildung und für eine erfolgreiche Integration. Auch Vivien Kurbach betont: “Die Erfolgschancen hängen von mehreren Faktoren ab, unter anderem von der sprachlichen Entwicklung.”
Sie sollten daher unbedingt auch nach der Ankunft in die Sprachausbildung der angehenden Pflegefachkräfte investieren. Dies beinhaltet sowohl die Alltagssprache als auch die Fachsprache. Wenn Sie hier investieren, werden Sie langfristig erfolgreicher sein bei der Integration von internationalen Fachkräften und Auszubildenden.
Außerdem müssen die jungen Menschen viel Fleiß mitbringen. “Die Fachsprache im Unterricht war neu und schwierig. Ich musste nach der Schule Vokabeln lernen und mich anders vorbereiten als in der Schule in meiner Heimat”, erklärt Susan P.
Leben in Deutschland lernen
Internationale Auszubildende müssen sich aber nicht nur eine neue Sprache aneignen, sondern auch neue Routinen und andere Gepflogenheiten. Auch hierauf bereiten sich viele bereits im Herkunftsland vor, besuchen Kurse, recherchieren im Internet. Doch die jungen Menschen können nicht auf jede Situation vorbereitet werden. Manches braucht einfach Zeit.
Hier ist Geduld gefragt – und Unterstützung. “Ab der zweiten Woche habe ich mich langsam eingewöhnt. Ich kannte dann die Supermärkte und wusste, wie man ein Busticket kauft. Ich habe eine Routine gefunden und Menschen kennengelernt, die mir helfen konnten”, beschreibt Susan P. die ersten Wochen in Deutschland. Hilfe bekam sie auch von der Integrationshilfe, aber auch von Menschen, die sie neu kennengelernt hat. Außerdem hat es Susan P. geholfen, in der Schule Gleichgesinnte zu treffen, die diese herausfordernden Situationen kennen.
Anderen rät sie, sich unbedingt vor der Einreise ausgiebig über Deutschland zu informieren.
“Integration ist ein wechselseitiger Prozess zwischen Auszubildenden und Gesellschaft. Ziel ist es, dass internationale Auszubildende zu langfristigen Fachkräften im deutschen Pflegesystem werden."
Vivien Kurbach, Vidacta Gruppe
Integration als Verantwortung
Sprache ist ein Teil funktionierender Integration. Wichtig ist aber auch, dass Arbeitgeber:innen ihre wichtige Rolle bei der Integration internationaler Fachkräfte und Auszubildenden erkennen. Integration ist eine Verantwortung, die nicht nur die einwandernde Person selbst trägt. Arbeitgeber:innen können sehr viel beitragen. Sie können Teams schon im Vorfeld vorbereiten, Einwandernde auch nach der Einreise konsequent begleiten und unterstützen und ein System schaffen, in dem sich die jungen Menschen wohl und gut aufgehoben fühlen.
Aber nicht nur Arbeitgeber:innen tragen Verantwortung – auch die Gesellschaft muss ihre Rolle bei der Integration erkennen und annehmen. “Integration ist ein wechselseitiger Prozess zwischen Auszubildenden und Gesellschaft. Ziel ist es, dass internationale Auszubildende zu langfristigen Fachkräften im deutschen Pflegesystem werden”, erklärt Vivien Kurbach.
Wenn Sie Sorge dafür tragen, dass sich internationale Fachkräfte und Auszubildende integriert fühlen, können Sie diese auch langfristig an Ihre Einrichtung binden. Erst dann entsteht nachhaltige Fachkräftegewinnung.
Fazit
Es lohnt sich, internationale Auszubildende für eine Pflegeausbildung nach Deutschland zu rekrutieren. Sie bringen eine große intrinsische Motivation mit und somit viel Potential langfristig in das Pflegesystem integriert zu bleiben. Aber auch Arbeitgeber:innen müssen ihren Teil leisten und Integration als Teil ihrer Verantwortung erkennen.
Susan P. ist seit 2024 in Deutschland und kommt inzwischen gut hier zurecht. Ihr gefällt es sehr gut in Deutschland und sie hat viel Freude an der Pflegeausbildung. “Ich habe mich schon immer für Biologie interessiert, deshalb finde ich die Ausbildung besonders spannend. Wir haben viel Spaß im Unterricht und motivieren uns gegenseitig.”
Und was sind Susan P.s Zukunftspläne? “Ich möchte meine Ausbildung erfolgreich abschließen und gerne in meinem Unternehmen bleiben. In Zukunft möchte ich weiter lernen und mir ein Zuhause in Deutschland aufbauen.”
Über die Vidacta Gruppe
Die Vidacta Gruppe ist Bildungsträger und bietet Ausbildung und Weiterqualifizierung staatlich geprüfter Abschlüsse in den Berufen der Ergotherapie, der Physiotherapie sowie der Pflege an.
Über die Autorin
Katharina Weckend, Content & SEO Managerin
Katharina arbeitet seit diesem Jahr bei lingoking als Content und SEO Managerin. Sie ist verantwortlich für die Content- und SEO-Strategie und schreibt Texte für die Website, den Ratgeber und andere Medien von lingoking. "Ich freue mich, in unserem Rategeber Wissen weiterzugeben und so zu helfen, Sprachbarrieren weiter einzureißen."