Pflegekräfte legen Hände übereinander
Internationale Fachkräfte

Pflege sichern: München setzt auf internationale Fachkräfte

Katharina Weckend | 28.06.2026

Der Fachkräftemangel stellt die Pflege seit Jahren vor große Herausforderungen. Kaum eine andere Branche setzt daher so konsequent auf die Rekrutierung internationaler Talente wie das Gesundheitswesen.

 

In München ist man nun noch einen Schritt weitergegangen: Um die internationalen Pflegefachkräfte in München schneller durch das Anerkennungsverfahren und in ihren Beruf zu bringen, wurde im September 2025 das Kompetenzzentrum internationale Pflege (KiP) an der München Klinik eröffnet. Zusätzlich zu den bislang rund 500 Fachkräften pro Jahr sollen dort künftig bis zu 500 weitere Personen das Anerkennungsverfahren erfolgreich durchlaufen.  

 

Nach der Anerkennung sollen die internationalen Pflegefachkräfte in die Münchner Kliniken und Pflegeheime integriert werden. Das zunächst auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt, das vom Münchner Gesundheitsreferat (GSR) initiiert, gefördert und im Rahmen eines öffentlichen Vergabeverfahrens zugewiesen wurde, soll dazu beitragen, die Anerkennung internationaler Berufsabschlüsse zu beschleunigen.

 

Die München Klinik hat gute Erfahrungen mit der Anwerbung internationaler Fachkräfte gemacht und blickt bereits auf langjährige Erfahrungen zurück: “Wir stellen im Bereich der Pflege bereits seit mehr als zehn Jahren internationale Kräfte sowohl aus EU- als auch aus Nicht-EU-Staaten ein. Derzeit arbeiten in der München Klinik (MüK) rund 8.000 Menschen aus über 80 Nationen und versorgen Patient:innen aus München und aller Welt”, erklärt Petra Geistberger, Geschäftsführerin (CHRO) und Arbeitsdirektorin der München Klinik. Viele internationale Kolleg:innen kämen laut Geistberger auch über eigene Bewerbungen oder über bestehende Kontakte zu Beschäftigten in die München Klinik.

Faire Anwerbung als Grundlage des Erfolgs

Eine nachhaltige Rekrutierung internationaler Fachkräfte beginnt mit fairen und transparenten Prozessen. Diesem Grundsatz folgt auch die München Klinik.

 

“Bei der Anwerbung ist Fairness für uns essenziell. Wir arbeiten im Bedarfsfall ausschließlich mit Personalvermittlungen zusammen, die den Anforderungen des eigens dafür durchgeführten Vergabeverfahrens entsprechen und den Zuschlag erhalten haben”, betont Petra Geistberger.

 

Doch die erfolgreiche Gewinnung von Fachkräften endet nicht mit der Vertragsunterzeichnung. Damit eine langfristige Bindung der neuen Mitarbeitenden entsteht, bedarf es sinnvoller Integrationsmaßnahmen.

 

„Wir haben den Integrationsprozess vor rund zwei Jahren in allen Facetten umgestaltet: Wir wollen den neuen Kolleg:innen ein berufliches und privates Ankommen ermöglichen, und zugleich verstärkt auf die Bedürfnisse der bestehenden Teams eingehen”, so Geistberger.

 

Diese ganzheitliche Betrachtung ist entscheidend: Hinter jeder Fachkraft steht ein Mensch, der nicht nur in einem neuen Arbeitsumfeld, sondern auch in einem neuen Land ankommen möchte. Eine enge Begleitung schafft Vertrauen, Sicherheit und langfristige Bindung.

Strukturierte Integration von Anfang an

Die Unterstützung der internationalen Talente beginnt bei der München Klinik früh. “Bereits vor der Einreise gibt es regelmäßige Kontakte zur Schulung unserer Prozesse. In den ersten drei Monaten steht das Ankommen auf Station im Vordergrund, darauf folgt ein Vorbereitungslehrgang kombiniert mit Sprachunterricht”, erläutert Petra Geistberger.  

 

Zusätzlich können Integrationsbeauftragte, wie sie auch die München Klinik einsetzt, als persönliche Ansprechpersonen für die internationalen Talente dienen. Das gibt mehr Orientierung und Sicherheit.

Gezielte Sprachförderung 

Ein weiterer zentraler Baustein ist die nachhaltige Sprachförderung. Meist kommen internationale Talente mit Deutschkenntnissen auf B2-Niveau. Das bildet eine gute Basis, die aber weiter ausgebaut werden muss. Hierfür sollten auch nach der Ankunft in Deutschland Sprachkurse angeboten werden.  

 

Für die sprachliche und kulturelle Vorbereitung setzt die München Klinik auf moderne Technologien. “Wir setzen VR-Brillen sowie künstliche Intelligenz ein, um typische Gesprächssituationen im Krankenhaus zu üben und sowohl sprachlich als auch kulturell im Übungsszenario zu reflektieren. Das gibt zusätzliche Sicherheit für den Start auf der Station”, erklärt Petra Geistberger.

 

Durch diese praxisnahen Trainings werden Fachkräfte gezielt auf die Anforderungen des Arbeitsalltags vorbereitet und können ihre Kommunikationskompetenzen in einem geschützten Umfeld weiterentwickeln.

München Klinik: Innovative Konzepte und faire Prozesse

Das Beispiel der München Klinik zeigt, dass die Gewinnung internationaler Pflegefachkräfte weit mehr ist als eine kurzfristige Antwort auf den Fachkräftemangel. Entscheidend für den Erfolg sind faire Rekrutierungsprozesse, eine strukturierte Einarbeitung und eine nachhaltige Integration im beruflichen wie privaten Umfeld.  

 

Gleichzeitig wird deutlich: Internationale Fachkräfte können die Gesundheitsversorgung langfristig stärken, wenn sie nicht nur als Arbeitskräfte, sondern als Menschen mit individuellen Bedürfnissen wahrgenommen und unterstützt werden. So entsteht eine vielfältige und zukunftsfähige Pflege, von der Beschäftigte, Einrichtungen und Patient gleichermaßen profitieren.

Über die Autorin

Katharina Weckend, Content & SEO Managerin

Katharina arbeitet seit diesem Jahr bei lingoking als Content und SEO Managerin. Sie ist verantwortlich für die Content- und SEO-Strategie und schreibt Texte für die Website, den Ratgeber und andere Medien von lingoking. "Ich freue mich, in unserem Rategeber Wissen weiterzugeben und so zu helfen, Sprachbarrieren weiter einzureißen."

Porträt von Katharina, Content Managerin bei lingoking