Was schätzen Arbeitgebende an internationalen Fachkräften am meisten?
Katharina Weckend | 26.08.2026
Die Anwerbung internationaler Fachkräfte ist ein wichtiger Baustein, um dem Fachkräftemangel in Deutschland zu begegnen. Dennoch bestehen bei vielen Unternehmen Vorbehalte gegenüber der internationalen Rekrutierung. Arbeitgebende, die bereits Erfahrungen damit gesammelt haben, berichten aber durchaus über positive Erfahrungen.
Wir haben mit Sabine Schmid, Gründerin und Geschäftsführerin der EgyptPro GmbH, und Fabian Scholz, CEO und Gründer der WTE Charkos GmbH, darüber gesprochen, welche Erfahrungen sie mit internationalen Fachkräften gemacht haben und was diese für Arbeitgebende besonders wertvoll macht.
“Aus meiner Erfahrung schätzen Arbeitgebende am meisten die gute Vorbereitung, den Ehrgeiz und die Bereitschaft, sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln, und die positive Einstellung der ägyptischen Fachkräfte.”
Sabine Schmid, Gründerin und Geschäftsführerin der EgyptPro GmbH
Ehrgeiz & Motivation
Viele Arbeitgebende schätzen an internationalen Fachkräften besonders ihren Ehrgeiz und ihre hohe Motivation. Fachkräfte aus Drittstaaten, wie Ägypten, Indien, Vietnam oder Mexiko, nehmen große Mühen auf sich, um in Deutschland zu arbeiten. Der Weg ist oft langwierig und kostspielig und erfordert neben Geduld und Ausdauer auch Mut und Durchhaltevermögen.
Die Vorbereitungen beginnen schon lange vor der Einreise – mindestens ein Jahr vorher. Je nach beruflichen und rechtlichen Voraussetzungen absolvieren die internationalen Talente zunächst einen mehrmonatigen Deutschkurs und legen eine Sprachprüfung ab. Der Deutschkurs für B1 dauert neun Monate, für B2 ein Jahr. Erst nach bestandener Sprachprüfung dürfen die Fachkräfte dann auch in Deutschland einreisen.
In Deutschland angekommen, wartet dann für internationale Talente mit reglementierten Berufen das Anerkennungsverfahren. Hier ist wieder Geduld gefragt. Meist können die Fachkräfte parallel zur Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung bereits arbeiten. Die ersten Monate sind besonders kräftezehrend: eine neue Sprache, ein neues Lebens- und Arbeitsumfeld und die Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung. Um all diese Herausforderungen erfolgreich zu meistern, braucht man sehr viel Biss, Motivation und Ehrgeiz.
Wie groß diese Bereitschaft sein kann, zeigt das Beispiel zweier Kältetechniker aus Ägypten. Sabine Schmid von der EgyptPro GmbH erzählt:
„Obwohl sie den Anerkennungsprozess ihrer Berufsqualifikation nicht zwingend hätten durchlaufen müssen, entschieden sie sich nach ihrer Ankunft freiwillig dafür. Auf die Frage, warum sie diesen zusätzlichen Aufwand auf sich nehmen, antworteten beide ähnlich: Sie wollten in Deutschland einfach mit der bestmöglichen Grundlage starten.“
Das Beispiel zeigt, wie viel Eigeninitiative und Bereitschaft zur Weiterentwicklung internationale Fachkräfte mitbringen können. Genau diese Eigenschaften werden auch von Arbeitgebenden geschätzt. Sabine Schmid ergänzt:
“Aus meiner Erfahrung schätzen Arbeitgebende am meisten die gute Vorbereitung, den Ehrgeiz und die Bereitschaft, sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln, und die positive Einstellung der ägyptischen Fachkräfte.”
„Was uns unsere Partnerkliniken am allermeisten zurückmelden, steht in keinem Zeugnis: Es ist die unbändige Lebensfreude, die unsere indischen Fachkräfte mitbringen."
Fabian Scholz, CEO und Gründer der WTE Charkos GmbH
Lebensfreude & Loyalität
Trotz der vielen Herausforderungen verlieren internationale Fachkräfte ihre Lebensfreude nicht. Im Gegenteil: Viele sind froh, in Deutschland zu sein und die Chance auf ein neues berufliches und persönliches Umfeld nutzen zu können.
Fabian Scholz von WTE Charkos berichtet:
„Was uns unsere Partnerkliniken am allermeisten zurückmelden, steht in keinem Zeugnis: Es ist die unbändige Lebensfreude, die unsere indischen Fachkräfte mitbringen. Uns spiegeln Pflegedirektionen regelmäßig wieder, dass da super fröhliche, herzliche und hochmotivierte Menschen auf die Stationen kommen, die mit ihrer positiven Art die Stimmung im gesamten Team und bei den Patienten im Handumdrehen spürbar anheben.“
Die hohe Motivation kann sich auch in einer starken Verbundenheit mit dem neuen Arbeitgebenden zeigen. Die Fachkräfte investieren viel Zeit und Mühe, um diese meist einmalige Chance zu ergreifen. Die Motivation ist groß, dass sie diese Möglichkeit dann auch erfolgreich nutzen wollen.
Damit daraus tatsächlich ein langfristiges Arbeitsverhältnis entsteht, müssen allerdings auch Arbeitgebende ihren Teil beitragen. Wertschätzung, Unterstützung bei der Integration und konkrete Weiterentwicklungsmöglichkeiten schaffen wichtige Voraussetzungen dafür, dass internationale Fachkräfte langfristig im Unternehmen bleiben.
Sabine Schmid fasst es so zusammen:
“Die meisten Fachkräfte sind Menschen, die sich intensiv vorbereiten, stolz auf das sind, was sie bereits mitbringen, und gleichzeitig bereit sind, Zeit, Energie und Geld in ihre Weiterentwicklung zu investieren. Was sie dafür brauchen, sind Arbeitgebende, die ihnen etwas zutrauen, Unterstützung, wenn es anfangs einmal hakt, und ein Team, das sie wirklich aufnimmt. Dann können sie zeigen, was in ihnen steckt.”
Vielfalt als Impuls
Ein weiterer Vorteil internationaler Fachkräfte ist die Vielfalt, die sie in Unternehmen und Teams bringen. Durch ihre Erfahrungen aus einem anderen Land und einem anderen kulturellen Umfeld betrachten sie Arbeitsabläufe, Kommunikation und den Umgang mit Kund:innen und Patient:innen teilweise aus einem anderen Blickwinkel.
Diese unterschiedlichen Perspektiven können für Unternehmen wertvoll sein. Sie schaffen Impulse für neue Ideen, helfen dabei, bestehende Routinen zu hinterfragen und können neue Lösungsansätze hervorbringen.
Damit Vielfalt tatsächlich zum Mehrwert wird, braucht es allerdings Offenheit auf beiden Seiten. Internationale Fachkräfte sollten die Möglichkeit bekommen, ihre Perspektiven einzubringen – und Teams sollten bereit sein, diese Unterschiede als Chance zu verstehen und voneinander zu lernen.
Fazit: Erwerbsmigration lohnt sich
Die Rekrutierung internationaler Fachkräfte ist mit Aufwand, Zeit und Kosten verbunden. Gleichzeitig kann sie für Unternehmen eine wertvolle Möglichkeit sein, offene Stellen zu besetzen und langfristig qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen.
Besonders geschätzt werden dabei häufig Eigenschaften, die sich nicht allein aus einem Lebenslauf oder einem Zeugnis ablesen lassen: Motivation, Ehrgeiz, Durchhaltevermögen, Lernbereitschaft, Lebensfreude und neue Perspektiven.
Wer internationale Fachkräfte erfolgreich gewinnen und langfristig binden möchte, sollte sich deshalb gut auf diesen Schritt vorbereiten. Ein strukturierter Onboarding-Prozess, Unterstützung bei der Integration, Wertschätzung und echte Entwicklungsperspektiven schaffen die Grundlage für einen gelungenen Start – und dafür, dass internationale Talente ihr Potenzial im Unternehmen voll entfalten können.
Über die Autorin
Katharina Weckend, Content & SEO Managerin
Katharina arbeitet seit diesem Jahr bei lingoking als Content und SEO Managerin. Sie ist verantwortlich für die Content- und SEO-Strategie und schreibt Texte für die Website, den Ratgeber und andere Medien von lingoking. "Ich freue mich, in unserem Rategeber Wissen weiterzugeben und so zu helfen, Sprachbarrieren weiter einzureißen."