Rolle von vereidigten Übersetzer:innen – ein Blick in die Zukunft
Katharina Weckend | 18.01.2026
War es früher noch Übersetzer:innen vorbehalten Texte in andere Sprachen zu übersetzen, so kann heute im Grunde jeder ganz einfach über DeepL, Google Translate und Co. Texte in eine andere Sprache übertragen. Der Beruf von Übersetzer:innen war und ist nicht geschützt, das heißt, dass sich im Grunde jeder Übersetzer:in nennen kann. Hier muss man also selbst prüfen, ob die oder der Übersetzer:in auch die passende Qualifikation vorweisen kann.
Mehr Rechtssicherheit gibt hier die Berufsbezeichnung der vereidigten Übersetzer:innen. In Deutschland müssen sie offiziell gerichtlich beeidigt werden. Für die Vereidigung ist der Abschluss einer passenden Ausbildung Voraussetzung.
Doch wie ist es um die Rolle von vereidigten Übersetzer:innen angesichts der wachsenden Rolle von KI-Übersetzungstools bestellt? Kann KI künftig vereidigte Übersetzer:innen ersetzen? Wir analysieren die aktuelle Lage und werfen einen Blick in die Zukunft.
Inhalt
Was ist ein:e vereidigte:r Übersetzer:in?
KI: Ergänzung oder Konkurrenz?
Zukunft der vereidigten Übersetzer:innen
Was ist ein:e vereidigte:r Übersetzer:in?
Was sind vereidigte Übersetzer:innen und was unterscheidet sie von “normalen” Übersetzer:innen?
“Meine Aufgaben bestehen darin, beglaubigte Übersetzungen von Urkunden und anderen offiziellen Dokumenten präzise anzufertigen, damit sie für behördliche Zwecke verwendet werden können”, erklärt Kim Wallinger, vereidigte Übersetzerin bei lingoking.
Vereidigte Übersetzer:innen werden offiziell bestellt. Nach der Prüfung, ob eine anerkannte Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen wurde, muss die oder der Übersetzer:in einen Eid ablegen. Erst dann darf sie oder er sich als “Vereidigte:r Übersetzer:in” bezeichnen und beglaubigte Übersetzungen erstellen. Diese beglaubigten Übersetzungen sind vor allem für öffentliche Vorgänge bei Ämtern, Behörden oder Gerichten vorgeschrieben. Mit dem Beglaubigungsvermerk und dem Stempel auf der jeweiligen Übersetzung bestätigen vereidigte Übersetzer:innen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Übersetzung und übernehmen somit auch die Haftung bei Fehlern.
KI: Ergänzung oder Konkurrenz?
KI-Übersetzungstools werden immer besser und sind nicht mehr nur Anlaufstelle für Privatpersonen, sondern auch immer häufiger für Unternehmen. Das kann auch gefährlich werden!
Was KI nicht kann
Das Stichwort ist hier Haftung.
Eine KI kann keine Haftung für fehlerhafte Übersetzungen und deren Konsequenzen übernehmen. Aber genau das ist manchmal entscheidend, bei Verträgen, Gerichtsdokumenten, offiziellen Dokumenten, etc. Deshalb setzen öffentliche Stellen, Ämter, Behörden und Gerichte auf beglaubigte Übersetzungen. Diese werden wie oben beschrieben von vereidigten Übersetzer:innen erstellt, die im Zweifel auch die Haftung bei fehlerhaften Übersetzungen übernehmen.
“Der entscheidende Vorteil ist die rechtliche Absicherung: Vereidigte Übersetzer:innen bürgen mit ihrem offiziellen Siegel für die Richtigkeit und Vollständigkeit. Die Kombination aus Fachwissen und Haftung durch vereidigte Übersetzer:innen bietet Sicherheit für Kund:innen”, erläutert Andrea Dormaier, Teamlead Inhouse Translation & Vendor Management bei lingoking.
Verlassen Sie sich also bei wichtigen Dokumenten, wie Verträgen, auch im privaten Rahmen nicht auf KI-Übersetzungen, denn im Zweifel übernehmen Sie selbst die Haftung.
Es gibt noch einen weiteren Punkt, den die KI nicht kann: Kreativität.
Eine KI kann nur reproduzieren, was es schon einmal gab. Das heißt im Umkehrschluss, dass keine KI neue Ideen entwickeln kann. Und Kreativität ist beispielsweise auch in einer Branche besonders wichtig: im Marketing. Wenn Sie Marketingübersetzungen benötigen, zum Beispiel für die Erschließung eines fremdsprachigen Marktes, können Sie natürlich Ihre Website von einer KI übersetzen lassen. Die wiederum wird sich sehr stark am Ausgangstext orientieren. Menschliche Übersetzer:innen leisten hier viel mehr Transferarbeit, übersetzen sinngemäß und finden neue kreative Ideen und Slogans, die zum fremdsprachigen Markt passen.
Das bringt uns zu einer weiteren Sache, die die KI nicht so gut kann: Lokalisierung.
Jedes Land verfügt über seine eigene Kultur und diese wiederum prägt die jeweilige Sprache. Das heißt, wenn Sie Marketing in einem anderen Land betreiben wollen, müssen Sie die Kultur des Landes in die Sprache einbeziehen. In manchen Ländern kann sehr offensives Marketing betrieben werden, in anderen nicht. Sprachexpert:innen bringen hier das nötige Fingerspitzengefühl mit und kennen alle Nuancen der jeweiligen Sprache.
Wo KI nützlich ist
KI-Tools können aber auch sehr nützlich für Übersetzer:innen sein. Schon seit langer Zeit werden in der Übersetzungsbranche sogenannte CAT-Tools verwendet. Diese Tools arbeiten mit einer Terminologie Datenbank, der sogenannten Translation Memory. Das CAT-Tool erkennt bereits übersetzte oder vordefinierte Wörter und Textpassagen und übersetzt diese automatisch. Das sorgt für Konsistenz und Effizienz beim Übersetzen.
Und so kann auch die KI den Übersetzungsprozess effizienter gestalten, indem Texte von ihr vorübersetzt werden und von menschlichen Übersetzer:innen auf Richtigkeit und Konsistenz geprüft werden. Auch wir bei lingoking setzen KI im Übersetzungsprozess ein: “Wir sehen KI ganz klar als Chance und Produktivitätshebel, insbesondere zur Unterstützung unserer gerichtlich vereidigten Übersetzer:innen. Gleichzeitig ist uns wichtig, realistisch zu bleiben: KI ist kein Allheilmittel. Der größte Hebel entsteht nicht durch „KI anschalten“, sondern durch die saubere Integration in Prozesse und Kundenökosysteme. Nur dann wird der Nutzen für Kunden wirklich messbar – etwa durch schnellere Durchlaufzeiten oder geringere Risiken”, meint Nils Mahler, CEO von lingoking.
Zukunft der vereidigten Übersetzer:innen
“Die Übersetzungsbranche steht unter massivem strukturellem Druck. Generische Übersetzungen werden zur Commodity und lassen sich kaum noch profitabel betreiben. Zukunft haben nur Anbieter, die sich klar spezialisieren und einen konkreten Mehrwert liefern”, betont Nils Mahler.
Eine Spezialisierung sind hierbei beglaubigte Übersetzungen. Die Befugnis, beglaubigte Übersetzungen erstellen zu dürfen, bleibt aufgrund der Haftungsfrage voraussichtlich erst einmal bei vereidigten Übersetzer:innen.
Außerdem sollte auch zukünftig jede:r, die oder der Wert auf qualitativ hochwertige, sinnvolle und smarte Übersetzungen legt, auf menschliche Übersetzer:innen setzen. Die Kreativität und Erfahrung von Übersetzer:innen kann keine KI ersetzen.
KI als Tool in der täglichen Arbeit
Übersetzer:innen wiederum sollten sich die KI zunutze machen und sich überlegen, wie sie diese in ihre Übersetzungsarbeit integrieren können. Denn Fakt ist: Die KI wird in Zukunft zum Arbeitsalltag von Übersetzer:innen gehören. Wer die KI nicht nutzt, wird ineffizienter als andere sein und so irgendwann nicht mehr wettbewerbsfähig sein.
“KI wird den Übersetzungsprozess zwar enorm beschleunigen, aber qualifizierte Übersetzer:innen eher ergänzen als ersetzen. Während durch die Nutzung von LLMs Vorarbeit geleistet werden kann, bleibt die menschliche Kontrolle zum jetzigen Zeitpunkt noch unersetzbar.”
– Andrea Dormaier, Teamlead Inhouse Translation & Vendor Management bei lingoking
“Im Hinblick auf die schnelle Entwicklung von KI und anderen Übersetzungstools entwickelt sich auch das Aufgabenfeld von vereidigten Übersetzer:innen ständig. Hierbei wird es künftig größtenteils unsere Aufgabe sein, KI so zu verwenden, dass wir uns um das Korrekturlesen/post-editing kümmern, nachdem eine grobe Vorübersetzung angefertigt wurde.”
– Kim Wallinger, vereidigte Übersetzerin bei lingoking
“KI wird die Rolle von Übersetzer:innen grundlegend verändern. In einfachen, standardisierten Fällen übernimmt KI bereits heute viele Aufgaben. In hochsensiblen Bereichen wie rechtlichen oder beglaubigten Übersetzungen bleibt der Mensch unverzichtbar.”
– Nils Mahler, CEO von lingoking
Über die Autorin
Katharina Weckend, Content & SEO Managerin
Katharina arbeitet seit diesem Jahr bei lingoking als Content und SEO Managerin. Sie ist verantwortlich für die Content- und SEO-Strategie und schreibt Texte für die Website, den Ratgeber und andere Medien von lingoking. "Ich freue mich, in unserem Rategeber Wissen weiterzugeben und so zu helfen, Sprachbarrieren weiter einzureißen."